Viele Pendler in Nordrhein-Westfalen warten mit Sehnsucht auf den Betriebsstart des Rhein-Ruhr-Express. Doch das wichtigste Schienenprojekt Nordrhein-Westfalens löst bei Anwohnern auch Ängste aus. Sie befürchten Lärm und vermehrte Erschütterungen. Die DB Netz setzt daher schon seit Beginn des Projekts auf transparente Information und einen engen Austausch mit der Öffentlichkeit bzw. den Bürgerinnen und Bürgern.

Der Rhein-Ruhr-Express kommt – daran gibt es spätestens seit dem Spatenstich im März keinen Zweifel mehr. Was von der Mehrheit der Bürger begrüßt wird, löst bei Anwohnern naturgemäß auch Bedenken aus. Damit sich nicht aus Unkenntnis der Fakten eine ablehnende Haltung gegenüber dem Projekt entwickelt, stehen die frühzeitige Information und ein intensiver Bürgerdialog, der weit über das gesetzliche vorgeschriebene Maß hinaus geht, für die DB Netz an erster Stelle. „Mit Transparenz und Information wollen wir eine breite Akzeptanz für den RRX schaffen“, erklärt Michael Kolle, Projektleiter für den RRX bei der DB Netz, und ergänzt: „Die beste Planung nutzt nichts, wenn das Projekt bei den Menschen vor Ort keinen Zuspruch findet.“

Vielfältige Gesprächsangebote

Seit dem Projektstart im Jahr 2011 haben Michael Kolle und seine Kollegen bei rund 120 Infoveranstaltungen und Bürgerdialogen das Gespräch mit den Menschen vor Ort gesucht. In Turnhallen und Gemeindezentren, in Ratssälen und auf Marktplätzen hat das 44-köpfige Team aus Planern, Projektingenieuren und Kaufleuten für den RRX geworben, Fragen beantwortet und Anregungen Ortsansässiger aufgenommen. Der Informationsfluss sei dabei keine Einbahnstraße, betont der Bauingenieur: „Wir halten die Bürger über die Planungen zum Infrastrukturausbau auf Stand, aber wir zapfen gleichzeitig auch das Know-how der Anwohner an. Die Menschen vor Ort haben oft Kenntnisse, von denen die Planung profitieren kann, und die ohne den direkten Austausch verloren gehen würden. Letztlich wollen wir so viele Anregungen der Anwohner aufnehmen, wie es uns im rechtlichen Rahmen möglich ist.“ Ergänzt wird das Informationsangebot durch Bürgersprechstunden, die in der Regel die Offenlage von Planungsunterlagen begleiten, und Planungswerkstätten zu bestimmten Themen innerhalb eines Bauabschnitts. Da geht es mal um die Gestaltung des Schallschutzes, mal um den Bau einer Unterführung oder auch um die Begrünung von Schallschutzwänden. „Oft ergeben sich ganz individuelle Fragen zu bestimmten Projektabschnitten. Dann gehen wir mitunter auch zu den Leuten nach Hause und schreiten gemeinsam den Garten ab oder suchen am Küchentisch nach einer Lösung, die alle anspricht“, berichtet Michael Kolle aus seinem Alltag. Zusätzlich zu den genannten Gesprächsangeboten haben Bürger in allen Projektphasen die Möglichkeit, sich telefonisch oder via Mail ans DB Netz-Team zu wenden.

„RRX vor Ort“ auf Informationstour

Zu einer besonderen Form des Dialogs gehören für Michael Kolle und sein Team die Veranstaltungen der RRX-Roadshow. Unter dem Titel „RRX vor Ort“ waren die Fachleute in allen Kommunen entlang der Strecke zwischen Köln und Dortmund präsent. An Ständen informierten sie über den Ausbau der Infrastruktur für den Rhein-Ruhr-Express und standen für Fragen der Anwohner bereit. „Im direkten Gespräch mit den Menschen vor Ort stellen wir immer wieder fest, dass ein großes Informationsbedürfnis mit Blick auf den Ausbau der Strecke besteht. Gleichzeitig merken wir, dass wir den Anwohnern viele Befürchtungen in einem persönlichen Gespräch nehmen können“, freut sich der 47-Jährige. Solche Erfolge bestätigen den Projektleiter in seinem Tun. Mehr noch: „Sie fördern das RRX-Wir-Gefühl im Team“, ist sich der Projektingenieur sicher. Eine gute Resonanz bei Bürgerveranstaltungen erzielten neben dem Gesprächsangebot auch 3D-Visualisierungen vom Streckenverlauf sowie Schallschutzsimulationen, die aufzeigen, wie sich die Geräuschbelastung senken lässt. Michael Kolle: „Das alles trägt dazu bei, Bedenken auszuräumen.“

Angst vor Lärm und Erschütterungen

Die größte Sorge bereitet den Anwohnern entlang des RRX-Streckenverlaufs das Thema Lärm. Die Höhe und Gestaltung von Schallschutz, Belastungen durch Baulärm und die Frage nach vermehrten Erschütterungen nach dem Start des RRX-Regelbetriebs werden häufig diskutiert. „Viele Menschen, die an der Strecke wohnen, haben Bedenken, dass es lauter wird. Wir versuchen dann immer klarzustellen, dass wir durch den RRX den Bestandslärm reduzieren können. Dort, wo wir Schallschutzwände bauen, wird auch der bereits bestehende Geräuschpegel deutlich gemindert. Unterm Strich wird die Schallsituation damit sogar verbessert“, erklärt der Experte. Oftmals stehen zudem verschiedene Planungsvarianten zur Auswahl. Dann versuchen Michael Kolle und seine Kollegen, alle Vor- und Nachteile aufzuzeigen, die Interessen abzuwägen und mit Fakten zu überzeugen. Für Sprengstoff sorge in Bürgerdialogen zudem häufig die Befürchtung, dass Bäume für das Infrastrukturprojekt gefällt werden müssen. „Hier betone ich immer, dass auch wir gerne Baumretter sein wollen. Wir versuchen, Fällungen so weit wie möglich zu vermeiden. Wenn das nicht geht, kümmern wir uns in Absprache mit der Stadt selbstverständlich um entsprechende Neupflanzungen“, so Kolle.

Im Dialog mit den Bürgern

Den Dialog mit den Bürgern bewertet das Team der DB Netz insgesamt als erfreulich: „Die Reaktionen auf unsere Informationsveranstaltungen sind durchweg positiv. Die Leute wissen es zu schätzen, dass wir uns die Zeit nehmen und uns am Samstag auf den Marktplatz stellen, um ihre Fragen zu beantworten.“ Natürlich würden dabei immer auch kritische Töne laut. Konstruktive Kritik ist den Planern immer willkommen. Einzelne Bürger, die Stimmung gegen den RRX machen, sieht der Projektingenieur derweil als Randerscheinung. „Es gibt immer Menschen, die unser Dialogangebot als Diktat der Bürger missverstehen und nur ihre Einzelinteressen durchsetzen wollen. Der Großteil der Anwohner jedoch geht konstruktiv an die Sache ran und nimmt dann auch viel aus unseren Veranstaltungen mit“, sagt Michael Kolle, der durch sein ruhiges und sachliches Auftreten schon so mancher hitzigen Diskussion die Schärfe nehmen konnte. Seine Überzeugung ist dabei regelrecht ansteckend: „Ich kämpfe gerne für die Akzeptanz des RRX, weil ich an das Projekt glaube. Wenn es uns gelingt, die Menschen vor Ort mitzunehmen, dann wird der RRX ein Erfolg. Da bin ich mir sicher.“

Bürgerinitiative kritisiert Fachchinesisch

Die Initiative Angermund e.V. wünscht sich derweil eine weniger technokratische Sprache in den Unterlagen zur Öffentlichkeitsbeteiligung: „Auf Betroffene warteten in der Offenlage Aktenberge voller Fachchinesisch, die normale Bürger mehr abschrecken, als motivieren, sich zu beteiligen“, so die Vorsitzende, Elke Wagner. Dies erklärt ihrer Ansicht nach auch, warum viele Betroffene sich erst gar nicht trauen, Einwendungen zu schreiben oder auf allgemeine Standard-Einwendungen zurückgreifen. Die Hürden zur Beteiligung bei diesem Planfeststellungsverfahren seien für die Bürger einfach zu hoch. Allgemein verständliche Planfeststellungsunterlagen bzw. die umfängliche und bürgernahe Erklärung des Materials brächten hier die Lösung, ist sich die Bürgerinitiative Angermund sicher. Elke Wagner: „Es wäre sicher hilfreich, wenn statt einem interessensgeleiteten Vorhabenträger ein neutraler Gutachter die Bürgerinformation verantworten würde.“

Lob aus der Lokalpolitik

Volker Haasper, Bezirksbürgermeister im Duisburger Süden, hingegen ist mit Umfang und Zeitpunkt der Bürgerbeteiligung mehr als zufrieden: „Die DB Netz hat die Menschen in den Dialog-Veranstaltungen umfassend und rechtzeitig informiert. Dass die Einbindung der Anwohner so ausführlich erfolgt, ist keineswegs selbstverständlich, wie ich aus der Erfahrung mit anderen Projekten weiß.“ Besonders hebt der Duisburger die Round-Table-Gespräche in einzelnen Abschnitten hervor, so zum Beispiel zum Schallschutz oder zu Details der Streckenplanung. Bei diesen Treffen in kleiner Runde seien alle Fragen der Bürgerbeantwortet sowie vorgebrachte Bedenken notiert worden. Das Fazit des Ortspolitikers: „Dieser Prozess verdient den Namen ,Dialog’.“





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