Am 24. Juni wurde der Hauptbahnhof Münster feierlich eingeweiht. Der Hauptbahnhof ist einer von rund 150 Bahnhöfen in Nordrhein-Westfalen, die bis 2023 für mehr Aufenthaltsqualität und Barrierefreiheit modernisiert werden – allein 56 davon, nach aktuellem Stand der Planung, im Zuge der Infrastrukturmaßnahmen rund um die RRX Außenäste.

Mit der Errichtung eines komplett neuen Empfangsgebäudes startete 2014 am Hauptbahnhof Münster ein Umbau in ganz großem Stil. Dabei wurde zunächst das alte Empfangsgebäude einschließlich des Kellers komplett abgerissen. Lediglich ein L-förmiger Gebäudeteil an der südwestlichen Ecke blieb auf Wunsch der Stadt Münster aus städtebaulichen Gründen erhalten. Im April 2015 wurde der Grundstein für das neue dreistöckige Empfangsgebäude mit einer großen lichtdurchfluteten Glasfassade gelegt. Im Anschluss ging es an den Rohbau, der bis zum Sommer 2016 weitgehend abgeschlossen werden konnte. Aktuell sind die Gewerke mit der Fertigstellung des Innenausbaus beschäftigt. Die Arbeiten in Münster beschränkten sich aber nicht auf das Hauptbahnhofsgebäude allein: Anstelle der bisherigen Expressguthalle entstand an der Ostseite ein neuer Bahnhofseingang. Dort werden bis zum Jahr 2020 das gesamte Bahnhofsumfeld neu entwickelt und unter anderem ein Hotel sowie Studentenwohnungen und Geschäfte errichtet. Als Projektleiterin ist Sonja Hempel, bei der DB Station&Service AG in der Abteilung für Großprojekte tätig, ständig im Einsatz, um die Arbeiten der rund 70 beteiligten Unternehmen am Hauptbahnhof zu koordinieren. Zudem zeichnet sie für die Abstimmungen mit Behörden und die europaweite Ausschreibung der Bauleistungen verantwortlich. Dabei steht sie in engem Austausch mit der Stadt, den Stadtwerken und Bahnhofsmanager Michael Jansen. Er stellt sicher, dass der Bahnbetrieb aufrechterhalten wird. Die Kollegen von DB Station&Service in Düsseldorf kümmern sich um die Vermietung der Geschäftsflächen.

Bedeutendster Knotenpunkt in der Region

Mit rund 68.000 Reisenden am Tag und etwa 2.000 Bushalten ist Münster der bedeutendste Knotenpunkt im Eisenbahnverkehr der Region. Der Bau unter laufendem Betrieb stellte an alle Beteiligten hohe Ansprüche. Aufgrund der Bauarbeiten kam es immer wieder zu Einschränkungen für die Fahrgäste. So ist der Hauptbahnhof lange Zeit nur über die Ostseite erreichbar. Eine besondere Herausforderung ergab sich durch die Einstufung des Baufelds als Kampfmittelverdachtsfläche. Sie machte umfangreiche Untersuchungen des Untergrundes erforderlich und führte mehrfach zu Verdachtsmomenten, die zusammen mit dem Kampfmittelräumdienst untersucht und ausgeräumt werden mussten. „Die Münsteraner haben die Beeinträchtigungen akzeptiert und bekommen jetzt den Bahnhof, den sie verdienen“, sagt Jansen. „Aber auch unsere Mitarbeiter freuen sich, nach Jahren auf der Baustelle von Containern in neue Büros umziehen zu können.

Bindeglied zwischen Innenstadt und Hafenviertel

Der Bahnhofsmanager ist überzeugt, dass sich der Einsatz gelohnt hat: „Wir sind stolz darauf, dass wir unsere Besucher nun in einer völlig neuen Atmosphäre empfangen können, die den Aufenthalt im Hauptbahnhof Münster für jeden zum Erlebnis macht.“ Mit einer Länge von fast 150 Metern und einer Höhe von 14 Metern bietet das neue Empfangsgebäude auf mehr als 8.000 Quadratmetern Fläche auf 3 Ebenen ausreichend Platz für Büros, Gastronomie und Einzelhandel. Der Hauptbahnhof entwickelt sich damit zu einem wichtigen Bindeglied zwischen Innenstadt und Hafenviertel. Darüber hinaus ist er komplett barrierefrei und macht das Reisen für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen damit deutlich einfacher. „Wir haben extra Vertreter eines Behindertenverbands vor Ort gehabt, die über einzelne Maßnahmen mitentscheiden konnten“, betont Jansen. Künftig verfügt der Bahnhof über alles, was im Bereich der Barrierefreiheit dem neuesten Stand der Technik entspricht, von einem taktilen Leitsystem für Reisende mit Sehbehinderung bis hin zu einer abgesenkten Informationstheke (DB Info) für Rollstuhlfahrer.

Mehr als 1 Milliarde Euro für die Bahnhöfe

Insgesamt sind bis 2023 umfangreiche Modernisierungen an rund 150 Bahnhöfen in Nordrhein-Westfalen mit einem Investitionsvolumen von mehr als 1 Milliarde Euro geplant. Im Rahmen der Planung an den Außenästen des Rhein Ruhr Express (RRX) werden nach aktuellem Stand 56 Stationen ausgebaut. Finanziert werden die Maßnahmen vom Land NRW, der Deutschen Bahn und den drei Aufgabenträgern für den Schienenpersonenverkehr. „Wir möchten den Reisenden und Besuchern attraktive Bahnhöfe bieten“, sagt Stefan Boleslawsky, Leiter DB Station&Service, Regionalbereich West. „Die Modernisierungen leisten einen wichtigen Beitrag dazu, denn sie verbessern die Barrierefreiheit, die Fahrgastinformation und die Aufenthaltsqualität.“

 

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